Ein paar Gedanken zu Truffaut

Als eine neue Welle über das Kino schwappte

Bekanntlich begannen viele amerikanische Millionäre als Tellerwäscher. Einer der wichtigsten Kinoschaffenden des internationalen Kinos begann als Laufbursche. Es geht um Francois Truffaut, der später auch in einer Fabrik arbeitete und in Heimen das wahre Leben kennenlernte.

Und war er schon einmal mit Arbeitern zusammen, gründete er einen Arbeiter-Filmclub.

Doch der Glücksfall seines Lebens kam später in Gestalt des Filmkritikers André Bazin in sein Leben. 1953 veröffentlichte Truffaut seine ersten Filmkritiken. Mit einigen Kollegen gründete er die Theorie des „Autorenfilms“.  Das bedeutet, dass der Regisseur der omnipräsente, alleinige Herr seines Filmes (und nicht wie oft üblich, der Produzent, der das letzte Wort hatte). Auch sollte der  Regisseur gleichzeitig seinen Stoff geschrieben haben und an allen Phasen des Films beteiligt sein.

Das Polit-Kino Godards

Der Regisseur war also auch ein Autor. Dass die resultierende „Nouvelle Vague“ (Neue Welle) ein so geschlossenes Weltbild abliefern konnte, lag an der in der Kinozeitschrift „Cahiers du Cinema“. Dort schrieben auch viele der Regisseure, die besonders von Truffaut beeinflusst waren: Jean-Luc Godard, Eric Rohmer, Jacques Rivette, und Claude Chabrol.

Auch beeinflusst waren Jean Vigo, Jacques Tati und Robert Bresson. Da jedoch das Wesen der „Nouvelle Vague“ im Individuellen des Regisseurs, im wahren Autoren  lagen, ähnelten sich die Filme nicht besonders. Die Filme, die auch als Klassiker der Nouvelle Vague angesehen werden, gehören: Godards „Außer Atem“ und  Alain Resnais „Letztes Jahr in Marienbad.

Mitte/Ende der 60er-Jahre orientiert sich Godard um und machte in erster Linie ein  politisches Kino.

Verbindung zur Welt der Bücher

Was machte das Truffaut-Kino so speziell anziehend? Er lehnte alle tradierten Erzählweisen ab, bzw. stellte er sie zur Disposition. Oft hat der Zuschauer zunächst den Eindruck, dass mehre Handlungsstränge nichts miteinander zu tun haben. Der Humanismus war Truffaut wichtiger als die vordergründige Geschichte. So konnte er eine größere Geschichte erzählen, über die unterschiedlichen Handlungspersonen: Wer sind sie wirklich?

Truffaut hatte das Kino geprägt und teilweise revolutioniert. Auf der einen Seite eine neue Verbindung geschaffen zwischen der Welt der Bücher und Theorien.  Zum anderen bildete er mit Jean-Luc Godard und Jacques Rivette den harten Kern der Bewegung in der „Nouvelle Vague“.

Seine französischen Nachfolger erlagen desöfteren der Versuchung den Regelbruch als Selbstzweck zu betreiben.

Fall für den Psychiater

Auch fand jeder eine Nische für sich. Claude Chabrol, Mitbegründer der  Nouvelle Vague, spezialisierte sich auf den Blick hinter die Scheinwelt der Bourgeoisie. Das war seine  Art, das  etablierte Mainstream-Kino zu bekämpfen. So suchte er den individuellen Ansatz, weitab vom  Massenprodukt.

Er war rein rastloser Cineast. Das bewies er  60 Filme lang. Unter seinen Streifen waren auch Bestseller wie „Die untreue Frau“,„Das Biest muss sterben“, „Vor Einbruch der Dunkelheit“, „Süßes Gift“ oder  „Die Blume des Bösen“

„Warum ich mich darauf versteife, die doppelte Moral der Bourgeoisie zu entlarven, könnte nur ein Psychiater herausfinden“, sagte der Starregisseur einmal.

Gleichzeitig mit dem Aufkommen der Vague steckte Holllywood in einer handfesten Krise. Das Fernsehen machte Konkurrenz, den Studios fiel kaum noch Neues ein. Da konnte eine frische „Welle“ nur willkommen sein. Ein erstes Nouvelle-Vague-inspiriertes Meisterwerk kam allerdings erst 1971: „French Connection“ von William Friedkin hatte eine für damalige Zeit große Authenzität, weil an Originalschauplätzen gedreht.

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